Die Zahl der Patienten, die schon in jüngeren Jahren einen arteriellen Hypertonus (RR >= 140/90 mmHg) entwickeln, steigt kontinuierlich. Dabei stellt den größten Teil der sogenannte essentielle oder primäre arterielle Hypertonus dar, bei dem die Ursache unklar bleibt. Sekundäre Ursachen eines arteriellen Hypertonus sind u.a.:
- Nierenarterienstenose
- Schrumpfnieren
- Klappenvitien oder Aortenisthmusstenose
- Schlafapnoe-Syndrom
- Phäochromozytom/Paragangliom-Syndrom
- Endogenen Hypercortisolismus (Cushing-Syndrom/ M. Cushing)
- Conn-Syndrom
Phächromozytom/Paragangliom-Syndrom
Labordiagnostik:
Aus tiefgefrorenem EDTA-Plasma und/oder 24 h Sammelurin:
- Metanephrin (Adrenalin-Metabolit)
- Normetanephrin (Noradrenalin-Metabolit)
- 3-Methoxytyramin (Dopamin-Metabolit)
Aus Serum:
- Ggf. Chromogranin A
Die Katecholamine Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin selbst sind aufgrund geringer Spezifität und Sensitivität nicht mehr empfohlen. Auch die Einhaltung diätetischer Regeln 3 Tage vor dem Urinsammeln ist nicht notwendig. Bei auffälligen Ergebnissen schließt sich eine Bildgebung der Nebenniere sowie ggf. ein DOPA- bzw. DOTATATE-Ganzkörper-PET-CT an. Diese Diagnostik gehört ebenfalls in entsprechend versierte Hände.
Endogener Hypercortisolismus (Cushing-Syndrom/ M. Cushing)
Labordiagnostik:
- Dexamethason-Hemmtest (Cortisol aus Serum nach Gabe von 1 mg Dexamethason oral (Goldstandard))
Prozedere: der/ die PatientIn erhält um 23.00 Uhr 1 mg Dexamethason oral und kommt morgens um 8.00 Uhr zur Blutentnahme für Cortisol. Ein Cortisolwert vor Einnahme ist nicht notwendig!
Interpretation: Ein Cortisol < 1,8 µg/dl schließt einen endogenen Hypercortisolismus aus. Cave: bei Frauen können unter Einnahme einer Antibabypille/Hormonersatztherapie falsch hohe Cortisolwerte gemessen werden. Für diesen Fall sollte das freie Cortisol als Speichelcortisol um 23.00 Uhr bestimmt werden. Dazu können Salivette®-Röhrchen bei uns angefordert werden. Die Bestimmung des freien Cortisols aus 24h Sammelurin ist aufgrund der Abhängigkeit der Cortisolausscheidung von der Ausscheidungsmenge sowie Fehlern bei der Sammelmengen-Angabe zunächst nicht empfehlenswert.
Conn-Syndrom
Labordiagnostik: nach Absetzen der störenden Medikation (siehe Tabelle) und Umstellung auf Amlodipin, Doxazosin und/oder Ebrantil:
- Aldosteron aus Serum,
- Renin aus EDTA-Plasma (entweder tiefgefroren oder bei Raumtemperatur einsenden)
- Aldosteron/Renin-Quotient (ARQ)
Interpretation: Ein ARQ > 50 bei einem erniedrigten oder komplett supprimierten Renin und einem Aldosteron > 60 pg /ml (!!!) (in der Regel > 95 pg/ml) ist verdächtig auf das Vorliegen eines Conn-Syndroms. Die Bestätigung erfolgt dann über einen NaClBelastungstest: Kann das Aldosteron unter 60 pg/ml durch Infusion von 2 Liter 0,9%iger NaCl-Lösung über 4 h supprimiert werden, ist das Conn-Syndrom ausgeschlossen. Daher schließt ein Aldosteronwert < 60 pg/ml schon bei der Initialdiagnostik ein Conn-Syndrom bereits sicher aus, auch wenn der ARQ > 50 und das Renin erniedrigt oder supprimiert ist. Die sich anschließende Bildgebung und ggf. Katheteruntersuchung gehört dann in entsprechend versierte Hände.
Antihypertensiva | Aldosteron | Renin | ARQ | Pausieren für |
|---|---|---|---|---|
Beta-Blocker | ↓ | ↓↓ | falsch positiv | 1 Woche |
Zentral wirksame Antihy- | ↓ | ↓↓ | falsch positiv | 1 Woche |
Thiazid-Diuretika | ↑ | ↑↑ | falsch negativ | 1 Woche |
Schleifendiuretika | ↔↑ | ↑↑ | falsch negativ | 1 Woche |
Kalium-sparende Diuretika | ↑ | ↑↑ | falsch negativ | 4 Wochen |
ACE-Hemmer | ↓ | ↑↑ | falsch negativ | 1 Woche |
AT1-Blocker | ↓ | ↑↑ | falsch negativ | 1 Woche |
Renin-Inhibitoren | ↓ | ↑↑ | falsch negativ | 1 Woche |
Mineralokortikoid-Antagonisten | ↑ | ↑↑ | falsch negativ | 4 Wochen |
Calcium-Antagonisten | ↔ | ↔ | ohne Einfluss | nicht nötig |
Alpha1- Rezeptorantagonisten | ↔ | ↔ | ohne Einfluss | nicht nötig |
Dihydralazin | ↔ | ↔ | Ohne Einfluss | nicht nötig |
Rückfragen gerne unter 05401/3391-319.
