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Copeptin A (CT-ProAVP) Sinnvolle Diagnostik bei Polyurie/Polydispsie-Syndrom

Immer öfter stellen sich Patienten in der Sprechstunde vor, die über eine gesteigerte Trinkmenge mit oder ohne erhöhte Ausscheidung berichten. Dabei ist der Hausarzt oft der erste Ansprechpartner. Bei der Diagnose spielt Copeptin A (CT-ProAVP) eine zentrale Rolle. Copeptin A ist ein stabiles Spaltprodukt des Antidiuretischen Hormons (ADH oder synonym: Vasopressin) mit einer Haltbarkeit im Serum von bis zu 7 Tagen bei Raumtemperatur. Damit ist es der direkten Bestimmung von ADH deutlich überlegen, das präanalytisch rasch abgebaut wird und damit in der Interpretation unzuverlässig ist. 

Was kommt differentialdiagnostisch in Frage bei Polyurie/Polydipsie? 

• Diabetes mellitus 
• Nierenfunktionsstörung 
• Habituelle Polydipsie 
• Diabetes insipidus centralis 
• Diabetes insipidus renalis 

Was ist zu tun? 

• Ausschluss Diabetes mellitus/ Nierenfunktionsstörung:

 ➔ Kreatinin 
➔ Harnstoff 
➔ Kalium 
➔ Natrium 
➔ Nüchtern-Blutzucker aus Gluco-ExaktRöhrchen 
➔ Glucose-Stix im Spontanurin 
➔ ggf. HbA1c

• Ausschluss Habituelle Polydipsie/Diabetes insipidus centralis/ Diabetes insipidus renalis 

Wichtig bei diesen Differentialdiagnosen ist, dass der Patient morgens nüchtern nach mindestens 8-stündiger Nahrungs- und Flüssigkeitskarenz zur Blutabnahme erscheint.

Blutabnahme Copeptin und Osmolarität im Serum nach mindestens 8 h Nahrungs- und Flüssigkeitskarenz

→ Wenn Copeptin < 2,6 pmol/l = Diabetes insipidus zentralis 

→ Wenn Copeptin > 20 pmol/l = Diabetes insipidus renalis

→ Wenn Copeptin ≥ 2,6 pmol/l – 20 pmol/l = Habituelle Polydipsie oder partieller Diabetes insipidus zentralis

Zur Differenzierung der habituellen Polydipsie von einem partiellen Diabetes insipidus centralis kann dann die Osmolalität dienen. Paßt der Copeptin-Wert zum in der untenstehenden Tabelle angegeben Osmolalitätsbereich, handelt es sich eher um eine habituelle Polydipsie. In Zweifelsfällen sollte zum Endokrinologen überwiesen werden. 

Osmolalität (mosmol/kg) CCT-proAVP (pmol/l)
270-2800,81-11,6
281-2851,0-13,7
286-2901,5-15,3
291-2952,3-24,5
296-3002,4-28,2

 

Bei Fragen zum Rundschreiben oder zu endokrinologischer Diagnostik und Therapie allgemein gerne Rücksprache unter 05401-3391-319.

 

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